Der Vergleich zwischen Wärmepumpe und Gasheizung wird oft mit einem einzigen Satz beantwortet, in die eine oder die andere Richtung. Tatsächlich hängt das Ergebnis an zwei Zahlen, die sich pro Haus unterscheiden: der Effizienz der Anlage und dem Preisverhältnis zwischen Strom und Gas.
Die beiden Effizienzgrößen
Eine Gasheizung wandelt Brennstoff in Wärme um. Ein moderner Brennwertkessel erreicht dabei einen Nutzungsgrad von etwa 0,90 bis 0,95, bezogen auf den Brennwert. Aus einer Kilowattstunde Gas wird also etwas weniger als eine Kilowattstunde nutzbare Wärme.
Eine Wärmepumpe erzeugt keine Wärme, sie transportiert sie. Wie gut ihr das über ein ganzes Jahr gelingt, beschreibt die Jahresarbeitszahl, kurz JAZ. Eine JAZ von 3,5 bedeutet: Aus einer Kilowattstunde Strom werden 3,5 Kilowattstunden Wärme. Die JAZ ist keine Eigenschaft des Geräts allein, sondern des Gesamtsystems. Sie hängt an der benötigten Vorlauftemperatur, an der Wärmequelle und an der Dämmung des Hauses.
Die Rechnung, die den Vergleich entscheidet
Beide Heizungen werden vergleichbar, wenn man die Kosten je erzeugter Kilowattstunde Wärme bildet, nicht je eingekaufter Kilowattstunde Energie:
- Gas: Gaspreis geteilt durch den Nutzungsgrad
- Wärmepumpe: Strompreis geteilt durch die Jahresarbeitszahl
Daraus folgt eine einfache Faustregel: Die Wärmepumpe ist im Betrieb günstiger, solange das Verhältnis von Strompreis zu Gaspreis kleiner ist als das Verhältnis von JAZ zu Nutzungsgrad. Bei einer JAZ von 3,5 und einem Nutzungsgrad von 0,9 liegt diese Schwelle bei etwa 3,9. Kostet Strom weniger als das 3,9-fache von Gas, heizt die Wärmepumpe günstiger.
Ein Rechenbeispiel mit offen genannten Annahmen
Angenommen, ein Haus benötigt 18.000 Kilowattstunden Wärme im Jahr. Angenommen weiter, Gas kostet 11 Cent und Strom 30 Cent je Kilowattstunde. Das sind Annahmen, keine Marktwerte, sie dienen nur der Veranschaulichung.
- Gasheizung: 18.000 geteilt durch 0,90 ergibt 20.000 kWh Gas, zu 11 Cent also rund 2.200 Euro.
- Wärmepumpe mit JAZ 3,5: 18.000 geteilt durch 3,5 ergibt rund 5.143 kWh Strom, zu 30 Cent also rund 1.543 Euro.
- Wärmepumpe mit JAZ 2,5: 18.000 geteilt durch 2,5 ergibt 7.200 kWh Strom, zu 30 Cent also 2.160 Euro.
Die dritte Zeile ist die eigentliche Aussage des Beispiels. Sinkt die Jahresarbeitszahl von 3,5 auf 2,5, verschwindet der Kostenvorteil fast vollständig, ohne dass sich ein einziger Preis geändert hätte.
Was die Jahresarbeitszahl drückt
Eine niedrige JAZ ist selten ein Gerätefehler. Sie entsteht meist durch die Umgebung, in der die Wärmepumpe arbeiten muss:
- Hohe Vorlauftemperatur. Je heißer das Wasser im Heizkreis sein muss, desto mehr Strom braucht die Wärmepumpe. Kleine Heizkörper aus der Zeit der Gasheizung sind hier der häufigste Grund.
- Schlechte Gebäudedämmung. Sie erhöht sowohl den Wärmebedarf als auch die nötige Vorlauftemperatur, wirkt also doppelt.
- Warmwasserbereitung. Sie verlangt ganzjährig hohe Temperaturen und senkt die JAZ gerade im Sommer.
- Häufiges Takten. Eine zu groß dimensionierte Anlage schaltet oft ein und aus, was die Effizienz kostet.
Der Wärmepumpentarif und der zweite Zähler
Für Wärmepumpen bieten viele Versorger eigene Tarife an, die je Kilowattstunde günstiger sind als Haushaltsstrom. Die Voraussetzung ist in der Regel ein getrennter Zähler und die Bereitschaft, dem Netzbetreiber eine Steuerung der Anlage zu erlauben.
Beides hat zwei Seiten. Der niedrigere Arbeitspreis senkt die Betriebskosten spürbar und verschiebt die Schwelle aus der Rechnung oben zugunsten der Wärmepumpe. Dem stehen die Kosten für den zusätzlichen Zähler und dessen Messentgelt gegenüber, außerdem kann der Netzbetreiber die Anlage in Spitzenzeiten zeitweise drosseln.
Für die Entscheidung heißt das: Der Vergleich sollte mit dem Strompreis gerechnet werden, der tatsächlich gelten wird, nicht mit dem allgemeinen Haushaltstarif. Der Unterschied zwischen beiden kann mehrere Cent je Kilowattstunde betragen und damit das Ergebnis umkehren.
Was in der Betriebskostenrechnung noch fehlt
Der Vergleich oben betrachtet nur den Brennstoff beziehungsweise den Strom. Zur vollständigen Rechnung gehören außerdem Wartung, Schornsteinfeger bei der Gasheizung, mögliche Kosten für einen Wärmepumpentarif mit eigenem Zähler und die Anschaffung selbst, die sich zwischen beiden Systemen deutlich unterscheidet.
Wer die Entscheidung vorbereitet, kommt deshalb an zwei Schritten nicht vorbei: einer realistischen Einschätzung der erreichbaren Jahresarbeitszahl für das konkrete Haus und einem Blick auf die tatsächlich benötigte Vorlauftemperatur im kältesten Fall. Beides lässt sich ermitteln, bevor ein Angebot eingeholt wird.
Quellen
- Verbraucherzentrale: Wärmepumpe, Funktion, Kosten und Voraussetzungen. verbraucherzentrale.de
- Umweltbundesamt: Heizen mit erneuerbaren Energien. umweltbundesamt.de
Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Energie-, Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung dar. Angaben beziehen sich auf den genannten Stand und können sich ändern. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an eine fachkundige Stelle.


